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Ausstellung "VOM MITTELATLANTISCHEN RÜCKEN INS AUGE DES STURMS" vom 18. August - 26. Oktober 2017

Ausstellung im HWK mit Arbeiten von Kim Nekarda

Der Titel dieser Ausstellung suggeriert eine wissenschaftliche Schau, die untermeerisches Gebirge in der Tiefsee und eine meteorologische Erscheinung zum Thema hat. Das kommt auch nicht von ungefähr: Nekarda fasziniert das Meer, die Tiefsee, das Element Wasser nimmt entsprechend die zentrale Rolle in seinen Arbeiten ein.

Den künstlerischen Arbeiten geht eine intensive Auseinandersetzung mit aktueller und historischer Meeresforschung voraus – Nekarda liest Expeditions- und Forschungsberichte, Dokumentationen über Tauchgänge, aber auch Tagebücher von Schiffbrüchigen, Mythen, Lyrik und Prosa zum Meeresthema, nicht zuletzt das bildgewaltige Werk „Moby Dick“ von Hermann Melville.

So schöpft der Maler aus moderner Meereswissenschaft und verbindet diese mit existentiellen Fragen des Menschen auf künstlerisch-symbolische Weise. Diese Zusammenschau von Natur und Mensch sowie von Wissenschaft und Mythos ist es, die im Titel der Ausstellung aufscheint und mit den Begriffen „Rücken“ und „Auge“ auf den Menschen verweist.

Sowohl in Abstraktion als auch in Einfühlung versenkt sich Nekarda im wahrsten Sinn, nämlich durch Abdruck des eigenen Körpers, in unerreichbares Terrain, das auf diese Weise zu begreifen ist; sein Blick geht damit in Bereiche, die der Erfahrungs- und Erkenntnisradius von Faktenwissen nicht erreicht. Mit seinen in allen diesen Arbeiten wiederkehrenden Abdrücken des eigenen Körpers suggeriert er die eigene Präsenz im unerreichbaren grenzenlosen Gefilde, die eigene „anwesende Abwesenheit“ (Zitat Nekarda). Auf seinen Leinwänden kommen Bildprinzipien zum Einsatz, die kaum ohne die von Max Ernst erfundenen Techniken der Frottage, der Collage, zu verstehen sind, die Verbindungen in alle Richtungen ermöglichen - das Unbegreifbare im Begreifbaren sichtbar zu machen. Entsprechend sind viele der hier zu sehenden Arbeiten von Unschärfe-Effekten geprägt, einem Stilmittel der Weichzeichnung, das sich innerhalb der letzten 100 Jahre vielfältig ausdifferenziert hat, zurückgehend auf einen Vortrag des Futuristen Umberto Boccioni 300, nach dem das Ungreifbare und Unsichtbare mehr und mehr zum Gegenstand von Forschungen und Beobachtungen der Künstler werde!
Kim Nekarda verlässt in seiner Kunst das jeweils Aktuelle von Forschungsergebnissen, das in seiner Schärfe keinen Spielraum lässt für Spekulationen oder, anders gesagt: für das Dazwischen.

Ausstellung "NAUTILUS" im Oldenburger Schloss vom 20. Mai - 27. August 2017

Janet Laurence about her project LOST HABITATS

For a long time I have been working with museum collections in very projects and exhibitions. Consistently I engage with the specimens in such a way as to bring out a new life in them
Not only do I see them for their beauty and therefore as objects but I think about them as beings that had lives, who were they? Why are they there? What was their life? These questions I'm wanting to invite the viewer also to engage with.
An underlying theme for much of my work is to create empathy for the natural world and therefore to our fellow species we share it with which is an environmental approach, a sensitivity to the fragility of our planet and the need to care.

The Natural History Museum (in Oldenburg) is the perfect place to engage with a long history of these fellow species now specimens, many who existed before us, others who coexist with us now.
Thus it brings into question the Anthropocene and what is happening around us now and so the work creates a contemporary dialogue on out relationship to Nature.

The exhibition in Oldenburg's magnificent old Schloss is a show about shells of all forms titled Nautilus. A large photographic exhibition throughout a series of rooms. In the last room I have been invited to make up a "Wunderkammer" of shells that I selected from the storage collection of the Natural History Museum Oldenburg.
Within the cabinet I have the opportunity to create a mood and hopefully a more emotional relationship to the material in the need for creating a world for them to exist within a new home, “a life afterlife “.

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Ausstellung "VICINITY - ANIMAL LANDSCAPES" vom 27. Januar - 26. Juli 2017

Nicole Schuck

Artist in Residence am Hanse-Wissenschaftskolleg 2017,
in Kooperation mit dem Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Nicole Schuck ist keine Naturwissenschaftlerin. Ihre künstlerischen Themen sind jedoch besonders eng mit Motiven und Zusammenhängen der Natur verbunden. Vor allem ist sie Zeichnerin. Mit stupender Sicherheit verwendet sie vielfältige Bewegungen und Gradationen der Linien: Büschelungen und Parallelen, sich verdichtende und öffnende Verläufe, kurze und längere Rhythmen und all die Beeinflussungen des weißen Raumes im Umfeld der Linie.
Diese zeichnerischen Prozesse sind nicht darauf angelegt, Wildtiere oder andere Motive aus der Natur abbildlich darzustellen. Die Linien führen die Aufmerksamkeit nicht von der Zeichnung weg auf das Aussehen von Tieren, sondern all diese äußerst differenzierten Gestaltungsweisen präsentieren sich zunächst einmal selbst als lineare Prozesse. Sie stehen jedoch nicht, wie in der abstrakten Kunst, für sich – entstanden aus „innerer Notwendigkeit“ des Künstlers –, sondern diese linearen Bewegungen nähern sich beispielsweise der individuellen Struktur eines Fells oder von Federn an. Dabei bleiben sie immer auch zeichnerische Strukturen. Nie zeigen sie einen Tierkörper insgesamt. Die linearen Strukturen übertragen die „Landschaft“ etwa eines Fells in zeichnerische Rhythmen und Differenzierungen auf dem Weiß des Papiers. Außerdem tasten die Zeichnungen Strukturen des Lebensraums dieser Tiere ab, der in enger Beziehung zu ihnen steht, und reflektieren die Einwirkungen des Menschen und die gegenseitige Beeinflussungen und Gefährdungen zwischen Tier und Umwelt. Mit sensibler Nachdrücklichkeit geht also Nicole Schuck in jeder künstlerischen Arbeit auf die individuelle Lebensform eines einzelnen Tieres ein. Sie kommt ihm sehr nahe und führt auch den Betrachter sehr nahe an das Tier heran.

Angetrieben von dieser dichten Annäherung ihrer künstlerischen Praxis an Erscheinungs- und Lebensformen in der Natur hat Nicole Schuck seit langem vielfältige Austausch- und Begegnungsprojekte mit Naturforschern und Naturexperten verfolgt. Fast alle Projekte von Nicole Schuck finden im Austausch mit Faunaexperten/Biologen/Zoologen vor Ort statt, etwa ihr Kranichprojekt von 2012 mit den Wissenschaftlern und Experten des Kranichinformationszentrums in Groß Mohrdorf oder Searching for Contrast and Size von 2014 mit Herbert Lohner, einem Biologen und Referenten vom BUND Berlin. Zu nennen ist unter zahlreichen anderen Projekten auch ein Forschungsaufenthalt am ZiF – Zentrum für interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld.

"From Esteem to Valuation - Nature Capital" (Arbeitstitel)

Das  Projekt von Nicole Schuck am Hanse-Wissenschaftskolleg in Kooperation mit den Forschern des Alfred-Wegener-Instituts auf Helgoland verspricht neue und starke künstlerische Ergebnisse, die – wie in ihren früheren Projekten – aus ihrer engen Zusammenarbeit mit Natur- und Umweltforschung entstehen und wiederum auch für die Wissenschaft neue Problemstellungen und Anregungen ergeben werden. Grob gesagt geht es in diesem Projekt um den Wert von Wildtieren. Anders als bisherige Untersuchungen zur Nützlichkeit von Tieren (etwa im Zusammenhang mit Schutzprojekten) wird die Künstlerin diesen Wert nicht etwa in Statistiken messen, sondern sie vertieft sich, wie beschrieben, in das individuelle Lebewesen und arbeitet mit überzeugender Ernsthaftigkeit dessen sinnlichen und künstlerischen Wert heraus. Diese Konzentration auf das Individuelle bedeutet jedoch keinesfalls eine Beschränkung auf das einzelne Lebewesen, sondern lenkt den Blick und das Verständnis nachdrücklich auf all die Zusammenhänge, denen es ausgesetzt ist, auf die es reagiert und die es gefährden.

Prof. Dr. Erich Franz

www.nicoleschuck.de

 

Ausstellung "THE SHIPPING Of THE KING" vom 15. Juni -15. Juli 2015

Von Anfang Juni bis Ende Juli 2015 war die Lübecker Künstlerin Bettina Thierig Artist in Residence am Hanse-Wissenschaftskolleg.

Die in Hannover geborene Künstlerin studierte bei Joachim Peter Kastner Bildende Kunst an der Universität Dortmund und legte 1992 ihr Staatsexamen ab. Anschließend setzte sie ihr Kunststudium bis 1996 an der renommierten Düsseldorfer Akademie der Künste fort.

Bettina Thierig ist bildende Künstlerin und Lyrikerin. Als klassische Bildhauerin ist ihr Arbeitsmaterial vorwiegend Muschelkalk aus Frankreich. Überlebensgroße Holzskulpturen bearbeitet sie mit der Motorsäge.

Zeitgleich zum Aufenthalt am HWK präsentierte das HWK eine Skulpturenausstellung der Künstlerin mit dem Titel THE SHIPPING OF THE KING im Foyer und auf dem Campus des Hauses.

Bettina Thierig arbeitet in reduktionistischem Stil und erzielt damit eine eindrucksvolle Statuarik und den Eindruck massiver Körperlichkeit und Ruhe der Skulpturen. Gleichzeitig suggerieren diese geballte Kraft und Energie, den Anschein sich jederzeit in dynamische Bewegung entladen zu können, ähnlich den griechischen Kuroi der vorklassischen archaischen Periode.Sie beherrscht die Klaviatur des kleinen Maßstabs bis hin zu monumentaler Form, von Figurativem zu reiner Abstraktion, immer sich bewegend im humanistischen Konzept der menschlichen Figur.

 

Von Kuhglocken und Rasenmähern zum Schmirgelpapier

Ein medienübergreifendes Konzert

30. August 2013, 20:00 Uhr

 Der in Berlin lebende holländische Künstler und Komponist William Engelen beendet seinen aktuellen Arbeitsaufenthalt am Hanse-Wissenschaftskolleg (Artist in Residence) mit der Aufführung eines medienübergreifenden Konzerts: „Von Kuhglocken und Rasenmähern zum Schmirgelpapier“.

Engelen inszeniert mit den Ausführenden des oh ton-ensembles ein ortsbezogenes, klingendes Portrait für Violoncello (Marie Schmit), Saxophon (Mark Lorenz Kysela), Gitarre (Steffen Ahrens), Schlagzeug (Michael Pattmann), Objekte und Tonband mit sechs Uraufführungen.

Bildnerische Arbeiten des Künstlers, seien es Zeichnungen oder Objekte, werden nach einem von ihm vorgegebenen Regelwerk in musikalische Klänge übertragen. In der Nachfolge von Karl Heinz Stockhausen, Iannis Xenakis oder John Cage besteht dieses Regelwerk aus ungewohnten, neuen Zeichen, aus individuell gestalteten grafischen "Partituren", die als künstlerische Notationen und Diagramme von einer eindeutigen Lesbarkeit befreit sind.

Für die Instrumentalisten entsteht ein spannungsreicher Raum aus dem Wechsel zwischen dem Beachten strenger Vorgaben und stark improvisatorischem Anteil in der Klangfindung.

Der Hörer wiederum nimmt eine Musik wahr, deren Grundlage ein Artefakt ist und sich in Zeit und Raum zu einem akustischen Eigenleben vollkommen unabhängig vom Ursprung entfaltet.


Das HWK in der Hauptstadt: Symposium „Reale Utopien“

In Kooperation mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften zum Jahresthema 2011/2012 „ArteFakte. Wissen ist Kunst - Kunst ist Wissen“  und in Zusammenarbeit mit dem Museum Hamburger Bahnhof war das Hanse-Wissenschaftskolleg zum ersten Mal im Rahmen seines Projektes „art in progress“ zu Gast in der Metropole Berlin.
Ergänzend zur Ausstellung „Tomás Saraceno. Cloud Cities“ im  Hamburger Bahnhof organisierte das HWK gemeinsam mit der Akademie das transdisziplinäre Symposium „Reale Utopien“, zu dem eine hochkarätige Expertenrunde eingeladen wurde.

Es debattierten unter anderem Elizabeth A. Povinelli (Professorin für Anthropologie, Columbia University, New York), Shoji Sadao (Architekt, Fuller and Sadao PC, New York) Reto Weiler (Rektor des Hanse-Wissenschaftskollegs, Susanne von Falkenhausen (Professorin für Neuere Kunstgeschichte, Humboldt-Universität zu Berlin) und Tomás Saraceno Fragestellungen wie beispielsweise „Wann werden Visionen im Zuge wissenschaftlicher Fortentwicklung Realität? Und wie geht wissenschaftliche Forschung mit Utopien in den verschiedenen Disziplinen um?“


“Artefakte. Wissen ist Kunst - Kunst ist Wissen“

Ein Beitrag des Hanse-Wissenschaftskollegs zum Themenschwerpunkt des Jahresthemas
“Artefakte. Wissen ist Kunst - Kunst ist Wissen“ der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften anlässlich des Salons Sophie Charlotte 2012

 

Die Rückseite des Wissens (The Reverse Side of Knowledge)

Im Rahmen des Salons Sophie Charlotte 2012 mit dem Jahresthema „Artefakte. Wissen ist Kunst - Kunst ist Wissen“ gibt das HWK im Rahmen des Projekts art in progress eine Präsentation. Die Kuratorin  Monica Meyer-Bohlen stellt jeweils einen Wissenschaftler und Künstler vor, Timothy Senior und Conrad Shawcross, deren Werke in gewisser Weise komplementär zueinander stehen. Beide Positionen begegnen sich in dem gemeinsamen Ansatz der Aufweichung der „Trennung von Kunst und Technik, Spiel und Zweckbestimmtheit“ (Horst Bredekamp). Dieser Denkstil bricht die Ausschnitt- und Perspektivhaftigkeit des wissenschaftlichen Blicks auf die Welt auf. Beide Protagonisten markieren die Grenze zwischen Wissen und Nichtwissen und zeigen damit aus ihrer je unterschiedlichen Marschrichtung aus Wissenschaft und Kunst den eigentlichen umfassenden Operationsbereich jeder wissenschaftlichen und künstlerischen Tätigkeit auf.


Artist in Residence für zwei Wochen auf dem Forschungsschiff METEOR

Der HWK Artist in Residence, Andreas  Schön, begleitete zwei Wochen lang eine Expedition auf dem Forschungsschiff METEOR. Diese MARUM-Expedition war der Erforschung der mikrobiellen Prozesse tief im Meeresboden gewidmet. Der mitreisende Künstler hat seine Beobachtungen  und Erfahrungen in Form eines Bordtagebuchs festgehalten. Der anschließende Aufenthalt im HWK gab ihm Gelegenheit, diese Eindrücke in Form zahlreicher Bilder künstlerisch zu verarbeiten.

 


Projekte zwischen Kunst und Wissenschaft 2012

Timothy J. Senior

Workshop „Performativity and Scientific Practice“ in Verbindung mit der Ausstellung „TRANSITION – Knowledge through Performance in Art and Science”

 Der Neurowissenschaftler und Künstler Timothy J. Senior geht in seiner Methodik über fachimmanentes Forschen hinaus. Diese Tatsache erklärt sich aus seinem Denkstil, der bewusst den reduktionistischen Rahmen neurowissenschaftlicher Methodik zur Erforschung und zum Verständnis des Gedächtnisses mit künstlerischen Mitteln aufbricht. Dafür bedient er sich des performativen Mediums, das vornehmlich den Künsten vorbehalten ist. Performative Prozesse sind Transformationsprozesse, die in erster Linie Spielräume eröffnen und ergebnisoffen sind.

 

Internationale Wissenschaftler und Künstler beleuchten im Workshop „Performativity and Scientific Practice“ diese Schnittstelle zwischen den Disziplinen aus ihren Perspektiven. Gleichzeitig zeigen sie in der begleitenden Ausstellung „Transition – knowledge through performance in art and science“ ihre performativen Arbeiten einer breiten Öffentlichkeit. Mit der Verbindung von Workshop und Ausstellung ist ein neues Format der Interaktion von Kunst und Wissenschaft entstanden.

 

Liam Jarvis

Projekt „ Everything Must Leave Some Kind of Mark” by ANALOGUE

 
Der Codirektor der jungen experimentellen Theatergruppe ANALOGUE aus London, Liam Jarvis, untersucht in performativer Weise den Prozess, der über das Aufnehmen von Sinneseindrücken im Gehirn zum inneren Bild der Außenwelt führt. Während seines Aufenthaltes am Hanse-Wissenschaftskolleg arbeitete  Jarvis an der Entwicklung einer immersiven Audio Performance.
Seine Arbeit ist inspiriert von dem bahnbrechenden Roman „Remainder“ von Tom McCarthy und seinem Protagonisten, der als Folge eines Unfalls an einem Gehirn-Trauma leidet, seine Umwelt nur aus der Distanz wahrnimmt und damit jedes Gefühl von Authentizität verliert.
Als erstes Ergebnis dieses „work in progress“ Skripts inszenierte Jarvis eine Aufführung unter Einbeziehung des Publikums und zweier Schauspieler des Oldenburgischen Staatstheaters. Die Anwesenden agierten nach unterschiedlichen Anweisungen, die sie mittels Kopfhörern empfingen und wurden so einer neuen Wahrnehmung des eigenen Erlebens, von Authentizität und Welt ausgesetzt.
Damit einher geht ein Rollenwechsel vom Zuschauer zum Mitwirkenden eines Schauspiels mit performativem Charakter.
Als konkretes Ergebnis des Dialogs von Kunst und Wissenschaft im HWK 2012 planen Liam Jarvis und Timothy Senior die Zusammenarbeit ab 2013, in der sich neurowissenschaftliches mit dramaturgischem Forschen auf der Ebene des performativen Aktes trifft und so im Bereich der Kognition und der Physis Welt transformiert.

Alex MacLean

Projekt „Aerial Pattern Language of Northwestern Germany“

 
Der Fotokünstler und Architekt Alex MacLean hat während seines Aufenthaltes am HWK vorwiegend Luftbilder der norddeutschen Küstenregion vom Flugzeug aus aufgenommen. Die Perspektive des „Blicks von oben“, seit dem 20. Jahrhundert ein fester Topos der Kunst, spiegelt in besonderem Maß die Situation des Menschen und seiner Umwelt. Mit geopolitischem Blick aus der Vogelperspektive  erforscht der Künstler in hochästhetischen Bildern  die Landschaft als gestaltete Realität, Landschaft als durch den Menschen verändert.
 
MacLeans methodologischer Anspruch besteht darin, eine durchdachte und dichte Folge von Fotografien als Zustandsbeschreibungen von Landschaft zu visualisieren. In seiner „Kartografie als ästhetischer Prozess“ macht er in seinen Luftbildern den Wandel sichtbar, der sich durch menschliche Eingriffe in die Umwelt vollzieht und regt zu kritischem Blick und notwendigem Umdenken aus künstlerisch-singulärer Wahrnehmung an. Der begonnene Gedankenaustausch und die Perspektive der Kooperation zwischen der künstlerischen Forschung MacLeans und den Wissenschaften mit dem Schwerpunkt Sozialwissenschaften am HWK, soll im kommenden Jahr fortgeführt werden mit dem Ziel einer Publikation zur norddeutschen Küstenregion im Wandel.

Ralf Baecker

Projekt  „Experiments in Spatial Perception“

 Für den Medienkünstler Ralf Baecker steht die Frage der Wahrnehmung von Raum im Zentrum seiner künstlerischen Arbeit. Ausgehend vom Computer, der den symbolisch/imaginären Raum mit dem physisch/mechanischen Raum zu einem hybriden Raumkonzept verbindet, führt er mit Hilfe von Installationen und Maschinen empirische Untersuchungen der Material/Geist Beziehung durch. Sein gegenwärtiges Arbeitsvorhaben ist die Entwicklung einer Projektionsapparatur, die ein subjektives Orientierungssystem an die Raumdecke wirft. Vorbilder Baeckers sind Planetenmaschinen und Planetarien als erste Simulationsmaschinen. Diese vereinigen die beiden primären Blickrichtungen der Wissenschaften in sich: den Blick in den Mikrokosmos (wie in der Neurowissenschaft oder Mikrobiologie) und den Blick in die Weite ( wie in der Klimaforschung oder Astrophysik).

 

Den Künstler bewegen Fragen der visuellen Perzeption: wie werden Objekte und Materialität im Gehirn abgebildet? Wie müssen äußere Reize beschaffen sein, um diese wieder abrufen zu können? Wie ist die Verbindung des visuellen Erkennens zum semantischen Gedächtnis? Welche Rolle spielt das Subjekt im Wahrnehmungsprozess?
Ralf Baecker, der während seines Aufenthaltes am Hanse-Wissenschaftskolleg erste Prototypen entwerfen und konstruieren wird, will im wissenschaftlichen Kontext des HWK arbeiten, insbesondere der Neuro- und Kognitionsforschung.

 


Projekte zwischen Kunst und Wissenschaft 2010

Elke Nebel

"Die Frage des Standpunktes"

Die Kunstausstellung im Hanse-Wissenschaftskolleg mit Werken der Düsseldorfer Künstlerin Elke Nebel ist die zweite Ausstellung im Rahmen des neuen Projektes „art in progress“. Sie wird am 19. März 2010 um 20.00 Uhr mit dem Gastvortrag „ÜberBlick“ von Thomas Reiter, Deutscher ESA-Astronaut und DLR-Vorstand für Raumfahrtforschung und –entwicklung, eröffnet.

Elke Nebel, geboren 1975 in Kleve, studierte von 1997-2002 an der staatlichen Kunstakademie Düsseldorf bei Jörg Immendorff, erhielt 2004 den Förderpreis der Stadt Düsseldorf für bildende Kunst und hat seit 2009 einen Lehrauftrag an der staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Zur Zeit ist sie Artist in Residence im Hanse-Wissenschaftskolleg.Die Bilder und Filme der Künstlerin drehen sich überwiegend um Phänomene der Unendlichkeit oder der unendlichen zyklischen Wiederholung.Im Medium gemalter Film, Malerei, Zeichnung und Installation beschäftigt sich Elke Nebel unter anderem mit dem Thema Weltraum.
Nebels gemalte Filme entstehen in der Regel aus gemalten Tafelbildern, deren fortlaufende Zustände als Progression mit der Kamera in Einzelschaltung dokumentiert werden. Daraus ergibt sich eine Bilderfolge, die in einer Vielzahl von Aufnahmen pro Sekunde bei der Wiedergabe eine neue Bildsprache des Films entwirft. Auf diese Weise visualisiert die Künstlerin dicht aufeinander folgende Zustände von Bewegung und Stillstand und betont damit die Rolle des Bewusstseins in der Wahrnehmung von Zeit. Der kreative Prozess selbst wird so zum Thema und damit auch die Zeit, in der sich unser Handeln und Erleben, wie auch Naturvorgänge ereignen.

Reiner Maria Matysik "VOM  BAZILLUS  ZUM  AFFENMENSCHEN"

 "VOM  BAZILLUS  ZUM  AFFENMENSCHEN"

„Wir haben immer gedacht, unser Schicksal steht in den Sternen. Jetzt wissen wir, dass es größtenteils in unseren Genen liegt.“ Getrieben von Aussagen wie der von James Watson, der vor gut 50 Jahren zusammen mit Francis Crick die Helixstruktur der DNA entdeckte und inspiriert von der gegenwärtig rasant fortschreitenden Entwicklung der Molekularbiologie nehmen zeitgenössische Künstler wie Reiner Maria Matysik zunehmend Stellung zu tiefgreifenden Erkenntnissen der Fundamente lebenden Daseins.

Mit den gegenwärtigen Entwicklungen in der Molekularbiologie ist die Schwelle erreicht, an der der Mensch selbst aktiv in die genetische Struktur lebender Organismen eingreifen und als Folge davon zukünftig auch den Begriff des Menschseins in Frage stellen kann. Damit ist im Vergleich zu früheren Erkenntnissen der Wissenschaft ein Quantensprung menschlicher Möglichkeiten erreicht.

Der Künstler Reiner Maria Matysik entwirft seit Mitte der 1990er Jahre vor diesem Hintergrund Prototypenmodelle postevolutionärer Lebensformen. Folgt man seinen Ausführungen, so wird die Gentechnik für uns heute kaum vorstellbare dramatische Auswirkungen haben: „Die ästhetisch-biologische Revolution wird zu einer fundamentalen Neustrukturierung des Lebens führen. Menschen werden keine Menschen mehr sein. Die Phylogenese, aus der bisher Menschen entstanden, wird in Zukunft alle möglichen Wesensarten hervorbringen.“ (R.M. Matysik) Der Künstler gestaltet seine visionären, oft farbintensiven, biomorph wuchernden Modelle zukünftiger Lebensformen auf vielfältig bizarre Weise. Diese Metaphern für eine zukünftig vorstellbare grenzenlose Manipulation von Lebendigem bezeichnet er als „hopeful monsters“.
Reiner Maria Matysik fordert mit seinem provokanten Ansatz geradezu die Auseinandersetzung mit den Biowissenschaften und deren in Zukunft möglichen Konsequenzen für unsere Gesellschaft.