Energy

Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Verlässlichkeit – Herausforderungen für  Energiewirtschaft, Politik und Gesellschaft 

Die Energiewirtschaft, wie wir sie kennen, mit Kohle, Öl, Gas und Kernbrennstoffen als wichtigste Energieträger, wird in den kommenden Jahrzehnten grundlegend umgebaut werden: Einerseits hat sich vielerorts die Überzeugung durchgesetzt, dass diese Energieträger zur Neige gehen, andererseits wird die Nutzung aller dieser Energieträger angesichts ihrer Auswirkungen auf unsere Umwelt zunehmend als nicht länger hinnehmbar angesehen. 

Hinsichtlich der tatsächlich verfügbaren Kohle-, Öl- und Gasvorkommen gehen die Einschätzungen weit auseinander. Entscheidungen über die Ausbeutung vieler Lagerstätten hängen von den jeweils aktuellen Marktpreisen ebenso ab wie von umweltpolitischen und rechtlichen Gegebenheiten, wie bei der äußerst umweltbelastenden Ausbeutung teer- und ölhaltiger Sande in Kanada und im Falle des „Fracking“ in der Erdgasförderung. Unstrittig ist aber, dass die Vorräte endlich sind, zumal die Menschheit diese Energieträger derzeit schneller verbraucht, als sie entstanden sind. Für Kernbrennstoffe (Uran) gilt ähnliches. In der Folge sieht sich die Weltwirtschaft zwar schwankenden, aber insgesamt steigenden Preisen und zunehmender Konkurrenz um diese Rohstoffe gegenüber. Zudem beeinflussen geopolitische Risiken (z.B. Unruhen in Nordafrika und Nahost, Bedrohung von Tankerrouten durch Piraten) das Marktgeschehen.

Der Beitrag der seit Beginn der Industrialisierung durch die Nutzung fossiler Energieträger freigesetzten klimarelevanten Gase zur Erwärmung der Atmosphäre ist weitestgehend unstrittig; ebenso wie die Tatsache, dass ein einfaches „Weiter so“ angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung der heutigen „Schwellenländer“ und der großen Aufgabe, für viele Menschen in den armen Ländern einen ersten regelmäßigen Zugang zu (elektrischer) Energie zu schaffen,  im Hinblick auf unser Klima unverantwortlich wäre. Eine drastische Reduzierung bzw. Vermeidung der Emission klimarelevanter Gase ist ein von zahlreichen Staaten vereinbartes bzw. akzeptiertes Ziel, wenngleich über die zur Erreichung dieses Ziels erforderlichen Schritte und die globale „Lastenverteilung“ weiterhin intensiv diskutiert wird.

Der uns angesichts dieser Rahmenbedingungen bevorstehende Wandel, möge er schnell oder langsam vonstattengehen, wird in seiner Bedeutung mit der Industrialisierung und dem Beginn des Zeitalters der fossilen Energieträger vergleichbar sein. Herkömmliche Energie in großem Maßstab durch umweltfreundlich erzeugte Elektrizität zu ersetzen, erscheint als zweckmäßiges und realistisches Szenario, verbunden mit einer umfassenden (ersten) Elektrifizierung großer Teile der armen und ärmsten Länder. Je nach Bedarf und verfügbaren Energieträgern wird es dabei zentrale und dezentrale Strukturen der Elektrizitätserzeugung und –versorgung geben. Eine offene Frage, die von Wissenschaftlern, Politikern und Technikern gleichermaßen im Rahmen von Forschung wie auch in einem gesellschaftlichen Diskurs behandelt werden muss, ist die nach dem wünschenswerten Energiemix der Zukunft: Welche Rolle werden in Zukunft fossile Träger, Kernenergie und die sogenannten erneuerbaren Energien spielen?

Das Hanse-Wissenschaftskolleg als interdisziplinäres Institute for Advanced Study widmet sich im Rahmen seines seit Januar 2010 bestehenden vierten Wissenschaftsbereiches „Energieforschung“ diesen Fragestellungen. Die vier Wissenschaftsgebiete des Kollegs bieten exzellente Voraussetzungen für disziplinäre und interdisziplinäre Energieforschung im Rahmen von Fellowships, Tagungen und Projekten. Es sollten sich aufgrund dieser Konstellation die unterschiedlichsten Disziplinen angesprochen fühlen: Chemie, Physik, Materialwissenschaften, Informatik, Elektrotechnik, die Geowissenschaften, ausdrücklich auch Sozial-, Politik- und Wirtschaftswissenschaften, die Psychologie und Philosophie sowie die Rechtswissenschaft.

Das HWK fördert u.a. Projekte zu folgenden Themen:

  • Nutzung regenerativer Energien: höhere Wirkungsgrade, Speicherung, Verteilung und Netzeinbindung
  • Energieeffizienz, intelligentes Netzmanagement (Elektromobilität, angebotsangepasste Steuerung energiehungriger Geräte usw.)
  • Theoretische Untersuchungen und experimentelle Forschung zum Energiebegriff (Teilchen- und Gravitationsphysik)
  • Regenerative Energien und die Umwelt: z.B. Auswirkungen der Ausbeutung von Rohstoffen, Materialflüsse in der Windenergie, Veränderung des Landschaftsbildes
  • Neue Abhängigkeiten und geopolitische Unwägbarkeiten durch einen Ausbau der regenerativen Energien?
  • Zusammenhänge zwischen demografischem Wandel und Änderungen bei Energiebedarf und Versorgungsstrukturen
  • Umgang mit gesicherten Erkenntnissen und mit Unsicherheiten in Politik und Gesellschaft: Kommunikation wissenschaftlicher Ergebnisse in die Öffentlichkeit

Gegenwärtige und zukünftige Fellows werden ausdrücklich ermutigt neue Themen aufzugreifen und in die Forschungslandschaft der Nordwestregion hineinzutragen.

Regionale Kooperationspartner (Auswahl):

  • Universität Bremen
  • Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
  • Jacobs University Bremen
  • Fraunhofer-Institut IFAM, Bremen
  • ForWind – Zentrum für Windenergieforschung der Universitäten Bremen, Hannover und Oldenburg
  • Fraunhofer-Projektgruppe Komponenten- und Systementwicklung von elektrischen Energiespeichern in Oldenburg
  • NEXT ENERGY – EWE-Forschungszentrum für Energietechnologie e.V., Oldenburg
  • Graduiertenkolleg "Models of Gravity" an den Universitäten Bremen und Oldenburg (und andere)

Nähere Auskünfte unter der E-Mail-Adresse: wstenzel[at]h-w-k.de