Dynamik von kollektiven Entscheidungen

Koordination: Dr. Susanne Fuchs (HWK)

Sprecher:

Prof. Dr. Susumu Shikano, Universität Konstanz

Mitglieder:

  • Prof. Dr. André Bächtiger, Universität Stuttgart
  • Prof. Dr. Martin Elff, Zeppelin Universität Friedrichshafen
  • Dr. David Garcia, ETH Zürich
  • Prof. Dr. Bernhard Kittel, Universität Wien
  • Dr. Jan Lorenz, Jacobs University of Bremen
  • Dr. Heiko Rauhut, ETH Zürich
  • PhD Sebastian Schutte, Universität Konstanz
  • Prof. Dr. Susumu Shikano, Universität Konstanz (Sprecher)
  • Prof. Dr. Markus Tepe, Universität Oldenburg
  • Prof. Dr. Stefan Traub, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg

Laufzeit:

15.12.2016 – 14.12. 2019

 

Die konventionellen Studien über kollektive Entscheidungen beruhen in der Regel auf der spieltheoretischen Modellierung und ihren Gleichgewichtslösungen. Während die Prognose auf dieser theoretischen Basis anhand von empirischen Daten mehrmals überprüft wurde, wird noch immer vernachlässigt, wie die Akteure den Gleichgewichtzustand erreichen können (Sober 1983). Es wird hingegen einfach angenommen, dass sich das Sozialsystem zum Zeitpunkt der Betrachtung im Gleichgewichtszustand befindet. 

Dies ist angesichts der empirischen Analysen in vieler Hinsicht problematisch. Erstens sind die empirischen Informationen, die nicht genau dem vorhergesagten Gleichgewicht entsprechen, schwer zu interpretieren. Während man ad hoc die Ähnlichkeit zum Gleichgewicht unter verschiedenen empirischen Zuständen vergleichen kann, hat dies keine theoretische Grundlage. Diese Problematik wird bei der Identifikation der statistischen Modelle am meisten sichtbar als Zero-Likelihood-Problem (Morton 1999). Kurzum: Theoretische Modelle müssen alle in den Daten vorgekommenen Zustände (im Gleichgewichtszustand) prognostizieren können. Ansonsten würden die Modelle mittels Daten 100-prozentig falsifiziert werden, was zur Folge hätte, dass keine probabilistischen Aussagen mehr gemacht werden könnten.
Zweitens ist die empirische Evidenz aus Querschnittdaten nicht eindeutig zu interpretieren, auch wenn sie dem vorhergesagten Gleichgewichtzustand entsprechen. Der Grund hierfür ist die Annahme, dass sich das Sozialsystem zum Untersuchungszeitpunkt im Gleichgewichtzustand befindet, die sich jedoch mit den Daten an sich nicht überprüfen lässt. Drittens und am wichtigsten werden die Implikationen in dieser Vorgehensweise nur im Zusammenhang mit dem Gleichgewicht hergeleitet. Das heißt, die Implikationen sind meistens entweder in einem Gleichgewichtzustand oder im Vergleich mehrerer Gleichgewichte zu finden. Dadurch verzichtet man darauf, wertvolle Information der Kausaldynamik in den Daten zu berücksichtigen. 

Aus diesem Grund zielt die Study Group darauf ab, die Dynamik von kollektiven Entscheidungen als Prozess näher zu betrachten und vor allem über die dazu notwendigen Methoden zu diskutieren. Dabei geht es sowohl um die Dynamik eines Entscheidungsprozesses als auch um die Dynamik von mehrfach wiederholten Entscheidungen. Dies bedeutet nicht, dass die einzelnen Entscheidungen voneinander separat betrachtet werden, sondern dass die Abhängigkeiten der Entscheidungen untereinander sowohl im Zeitquerschnitt als auch in den Zeitreihen berücksichtigt werden. Die Abhängigkeit kann die gegenseitige mimetische Ansteckung (mutual mimetic contagion) (Topol 1991), Bandwagon (Kandori u. Rob 1998) oder eine andere Form des Lern- und/oder Adaptionsprozesses (Bendor u.a. 288) sein. Diese Abhängigkeiten der Entscheidungen setzen eine Kommunikation voraus, bei der die Entscheidungsträger über bisherige Entscheidungsergebnisse und eventuell über die einzelnen Entscheidungen der Mitentscheidungsträger informiert werden. Deshalb ist auch die Gestaltungsart und institutionelle Voraussetzung der Kommunikation ein wichtiger Aspekt der Untersuchung.

Ziele/Produkte

Erstens werden regelmäßig Tagungen mit den Kernmitgliedern und weiteren führenden Wissenschaftlern in den einschlägigen Bereichen veranstaltet.
Zweitens soll durch die Zusammenarbeit mit der lokalen Forschung die regionale Verankerung des HWK verstärkt werden. Drittens wird im Rahmen dieser Study Group angestrebt, einen Sammelband zu dem Thema auf Deutsch zu veröffentlichen. Diese Thematik stellt im deutschsprachigen Raum der Sozialwissenschaft immer noch eine große Lücke dar.