Tötungshandlungen in Einrichtungen des Gesundheitswesens

Koordination: Dr. Susanne Fuchs (HWK)

Sprecher:

Prof. Dr. Detlef Garz, Universität Mainz

Mitglieder

  • Dr. Ursula Blömer, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
  • Dr. Hans Böhmann, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
  • Josef-Hospital Delmenhorst Krankenhaus gGmbH
  • Dr. Carsten Detka, Universität Magdeburg
  • Dr. Manuel Franzmann, Christian-Albrechts-Universität Kiel
  • Dr. Britt Hoffmann, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
  • Prof. Dr. phil. habil. Klaus Kraimer, Hochschule für Technik und Wirtschaft des
  • Saarlandes (HTW)
  • Prof. Dr. Ulrich Oevermann, Universität Frankfurt
  • Prof. Dr. rer. pol. habil. Gerhard Riemann, Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm
  • Prof. Dr. Fritz Schütze, Universität Magdeburg
  • Dr. Anja Wildhagen, Universität Magdeburg
  • Prof. Dr. Lalenia Zikek, Fachhochschule Potsdam
  • Prof. Dr. Boris Zizek, Leibniz Universität Hannover 

Laufzeit: März 301 - März 2021

 

In den letzten Jahren hat das Thema der Tötungshandlungen in Kliniken und Pflegeeinrichtungen in den deutschen Medien viel Aufmerksamkeit erfahren und die Öffentlichkeit in einer besonderen Weise aufgewühlt und beunruhigt. Dabei steht ein Fall – es geht um Tötungshandlungen in zwei norddeutschen Krankenhäusern, für die ein inzwischen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilter Pfleger verantwortlich ist – aufgrund der extremen Anzahl der begangenen Taten besonders im Mittelpunkt. Es gibt eine Reihe von journalistischen Recherchen, gutachterlichen Stellungnahmen, Verlautbarungen von Angehörigen und Verbänden und einen Abschlussbericht des Sonderausschusses des zuständigen Landtags – die Diskussion über das Geschehen und die notwendigen Konsequenzen, die daraus zu ziehen sind, geht weiter. 
Die Study Group nimmt diesen Fall zum Anlass, um in einer ganzheitlichen und zugleich mikroanalytisch ausgerichteten sozialwissenschaftlichen Untersuchung zu rekonstruieren, wie das, was geschehen ist, passieren konnte. Gerade weil die öffentliche Diskussion aus gut nachvollziehbaren Gründen so erbittert geführt wird, erscheint es den Mitgliedern der Study Group notwendig, in sorgfältigen qualitativen Erhebungen - vor allem zu den Erfahrungen und Perspektiven von professionellen Praktikerinnen und Praktikern - ein eigenes und nicht von vorschnellen Schuldzuweisungen geprägtes Bild des Fallgeschehens zu gewinnen und das Datenmaterial mit unterschiedlichen Verfahren der rekonstruktiven Sozialforschung auszuwerten. Dabei richtet sich der Blick auf biographische Prozesse, Besonderheiten des ärztlichen und pflegerischen Handelns, die spezifischen Bedingungen auf Intensivstationen und die strukturellen Bedingungen, denen Kliniken ausgesetzt sind. Wie spielt all dies zusammen? Wie lassen sich das drastische Scheitern professioneller Handlungsstrukturen auf einer Intensivstation und das spezifische Gefahrenpotential dieses besonderen ärztlichen und pflegerischen Handlungsraums in seiner Komplexität erfassen? In der rekonstruktiven Analyse der Besonderheiten dieses Falls wird zugleich Allgemeines sichtbar. 
In der gemeinsamen Analysearbeit werden sowohl Verfahren der Objektiven Hermeneutik als auch der soziolinguistischen Prozessanalyse genutzt. Zum besonderen Profil dieser Study Group gehört auch, dass ihre Mitglieder in der Vergangenheit intensiv an der Entwicklung und Konturierung soziologischer Professionalisierungstheorien bzw. Theorien zum professionellen Handeln beteiligt waren. In der Auseinandersetzung mit dem Datenmaterial wird es auch darum gehen, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser soziologischen Theorien anhand eines bestimmten Gegenstandsbereichs professionellen Handelns auszuloten.