Ausstellung: AUSTRALIENS VERGESSENE FELSBILDER vom 17.6. 2017 - 18.02. 2018

Eine Kooperation mit dem Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg

Damm 38-44

26135 Oldenburg

 

Pressedossier
Delmenhorst, 15.06.2017

AUSTRALIENS VERGESSENE FELSBILDER
Eine wissenschaftliche und künstlerische Expedition zu den Bradshaws
Ausstellung im Landesmuseum Natur und Mensch, Damm 38-44, 26135 Oldenburg
17. Juni 2017 bis 18. Februar 2018


Vom 17. Juni bis zum 18. februar 2018 präsentiert das Landesmuseum für Natur und Mensch Oldenburg in Zusammenarbeit mit dem Hanse-Wissenschaftskolleg (HWK) die Sonderausstellung "AUSTRALIENS VERGESSENE FELSBILDER". Anhand von 20 Großfotos, begleitenden wissenschaftlichen Erläuterungen und Werken der bildenden Künstlerin Astrid Weiler entführt diese, in ihrer Art weltweit erste museale Präsentation von Bradshaw Felsbildern, die Besucher in die auch noch heute schwer zugängliche Kimberley-Region im Nordwesten von Australien.

Reto und Astrid Weiler haben mehrere Expeditionen in die Kimberley-Region Australiens auf der Suche nach Bradshaws unternommen und sich ihnen wissenschaftlich und künstlerisch genähert. Dabei sind sie immer wieder auf neue, bislang völlig unbekannte Felsbilder gestoßen, die auch in der Ausstellung zu sehen sind.
Häufig finden sich Felsbilder in heute schwer zugänglichen Stellen und werden meist zufällig entdeckt. Das trifft auch auf die in der Ausstellung "Australiens vergessene Felsbilder" gezeigten Exponate zu. In der noch heute kaum zugänglichen Kimberley-Region im Nordwesten Australiens finden sich an Felsüberhängen entlang einiger Flussläufe Bilder menschlicher Darstellungen in absolut künstlerischer Vollkommenheit. Fast immer werden diese Menschen in Gruppen gezeigt, eingetaucht in rituelle oder zeremonielle Aktivität. Zur Darstellung werden häufig flächige Stellen des Sandsteines benutzt, die dem Bild eine natürliche Rahmung geben. "Das einmalige Erlebnis der Begegnung mit diesen vollkommenen Felsbildern, deren Narrativ uns tief berührt auch wenn wir es nicht entschlüsseln können, lässt alle Strapazen des Suchens vergessen, da man mit ihnen sich selbst begegnet" so Reto Weiler.

Erstmals wurden diese Bilder vom Siedler Joseph Bradshaw 1892 beschrieben und werden nach ihm als Bradshaw Figuren benannt. Ihre Verborgenheit in den unzugänglichen Weiten der Kimberley, verbunden mit tropischer Hitze und Überschwemmungen, haben sie sich bis heute dem Blick der Menschen weitgehend entzogen. Ursprung und Bedeutung der Felsbilder sind entsprechend nicht sicher geklärt; Stil und Malweise der Zeichnungen weichen jedenfalls erheblich ab von denen der heute lebenden Aborigines und deren überlieferten Felsbilder. Vielmehr ähneln die über 20.000 Jahre alten Felsmalereien in überraschenden Details denen mancher afrikanischer Felsbilder. Da außerdem in der Kimberley-Region der sonst nur in Afrika heimische Baobab-Baum wächst, die Samen aber nicht salzwassertolerant sind, kann nicht ausgeschlossen werden, dass vor langer Zeit (evtl. infolge des Toba-Vulkanausbruchs vor gut 70.000 Jahren) Menschen von Ostafrika nach Nordwestaustralien kamen und die Samen mitbrachten, gemeinsam mit ihren künstlerischen Ausdrucksweisen. Diesen und anderen Fragen hat sich Reto Weiler wissenschaftlich angenähert.

Felsbilder nehmen in der Kunst, insbesondere in der klassischen Moderne, eine besondere Rolle ein, da sie uns häufig nicht nur aufgrund ihrer stilistischen und künstlerischen Vollkommenheit in Erstaunen versetzen, sondern uns durch die bildliche Darstellung von Ereignissen einen Einblick in längst vergangene Zeiten gewähren und uns so doppelt gefangen nehmen. Die Ethnologin und Künstlerin Astrid Weiler hat sich unter Verwendung von Sand und Ocker mit diesen ältesten künstlerischen Zeugnissen in der ihr eigenen Bildsprache auseinandergesetzt.

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Globalisierung und Wachstum

Öffentlicher Vortrag im HWK am 10. September 2018 um 19.30 Uhr


Globalisierung wurde seit den 1990er Jahren als ein neuer Motor des wirtschaftlichen Wachstums gefeiert und als Begründung darauf verwiesen, dass die Entgrenzung einer Welt, die im Kalten Krieg geteilt war, Transaktionskosten verringere und die Mechanismen des Marktes in immer mehr Weltregionen gegenüber politischen Interventionen zur Geltung bringe. Dies sichere Wohlstandsgewinne und ermögliche konsequenterweise die Ausdehnung demokratischer Ordnungen.
Dieses naive Szenario trifft inzwischen auf wachsende Skepsis, ohne dass die Zentralität der Globalisierungsdiagnose grundsätzlich in Frage gestellt würde.
Was hat also Globalisierung mit Wachstum zu tun? Ist dies eine Frage, die sich erst seit 1989 stellt oder hat sie einen längeren historischen Vorlauf? Und was bedeutet es, Wachstum und globale Herausforderungen des Anthropozän (also jener erdgeschichtlichen Epoche, die vom Eingreifen des Menschen substantiell geprägt ist) miteinander in Beziehung zu setzen?
Der Vortrag gibt einen Überblick zur Globalisierungsdiskussion der letzten drei Jahrzehnte und formuliert Antworten auf die oben genannten Fragen.

Dr. Matthias Middell ist Professor für Kulturgeschichte an der Universität Leipzig, wo er das Global and European Studies Institute leitet. 2007 lehrte er an der Duke University als Fulbright Professor für Transnationale Geschichte, seit 2016 leitet er in Leipzig den Sonderforschungsbereich „Verräumlichungsprozesse unter Globalisierungsbedingungen“. Er ist seit 1991 Herausgeber von Comparativ. Zeitschrift für Globalgeschichte.