„Sicherheit oder Frieden? Zielkonflikte europäischer Außenpolitik“

Der Titel des Vortrags deutet schon das Dilemma an: Warum entweder oder und warum nicht beides, Sicherheit und Frieden, ein Herzenswusch nicht nur der Deutschen, sondern der Menschen weltweit?

 

Frieden und Sicherheit lassen sich als zwei unterschiedliche politische Deutungsmuster verstehen, mit denen jeweils unterschiedliche politische Optionen und strategische Repertoires verbunden sind. Dementsprechend werden Frieden- und Sicherheitspolitik als außenpolitische Alternativen verstanden, auf Interessendivergenzen und Konflikte zu reagieren.
Während Friedenspolitik die Kooperation zwischen Akteuren akzentuiert, richtet Sicherheitspolitik die politisch folgenreiche Aufmerksamkeit auf Gefahren und Bedrohungen.

Deutsche und europäische Außenpolitik steht demzufolge vor der grundsätzlichen Entscheidung, dem Primat des Friedens oder der Sicherheit zu folgen.

Vor diesem Hintergrund ordnet Prof. Bonacker jüngste außenpolitische Entwicklungen ein und bewertet sie. Beleuchtet werden dabei insbesondere das von der Bundesregierung vorgelegte Konzept der zivilen Krisenprävention sowie die neue außenpolitische Verantwortungsrhetorik, mit der die Forderung einer Führungsrolle Deutschlands in der europäischen Außenpolitik einhergeht.

Der Referent Thorsten Bonacker ist Professor am Zentrum für Konfliktforschung an der Philipps-Universität Marburg.

In Bremen geboren, studierte er Soziologie, Psychologie, Philosophie und Ethnologie/Kulturwissenschaften an der Philipps-Universität Marburg, promovierte an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg, wo er im Anschluss die Vertretung einer Professur für Soziologie übernahm. Nach einer Juniorprofessor für Friedens- und Konfliktforschung am Zentrum für Konfliktforschung an der Uni Marburg ist er dort seit 2008 ordentlicher Professor für Friedens- und Konfliktforschung.

 

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Globalisierung und Wachstum

Öffentlicher Vortrag im HWK am 10. September 2018 um 19.30 Uhr


Globalisierung wurde seit den 1990er Jahren als ein neuer Motor des wirtschaftlichen Wachstums gefeiert und als Begründung darauf verwiesen, dass die Entgrenzung einer Welt, die im Kalten Krieg geteilt war, Transaktionskosten verringere und die Mechanismen des Marktes in immer mehr Weltregionen gegenüber politischen Interventionen zur Geltung bringe. Dies sichere Wohlstandsgewinne und ermögliche konsequenterweise die Ausdehnung demokratischer Ordnungen.
Dieses naive Szenario trifft inzwischen auf wachsende Skepsis, ohne dass die Zentralität der Globalisierungsdiagnose grundsätzlich in Frage gestellt würde.
Was hat also Globalisierung mit Wachstum zu tun? Ist dies eine Frage, die sich erst seit 1989 stellt oder hat sie einen längeren historischen Vorlauf? Und was bedeutet es, Wachstum und globale Herausforderungen des Anthropozän (also jener erdgeschichtlichen Epoche, die vom Eingreifen des Menschen substantiell geprägt ist) miteinander in Beziehung zu setzen?
Der Vortrag gibt einen Überblick zur Globalisierungsdiskussion der letzten drei Jahrzehnte und formuliert Antworten auf die oben genannten Fragen.

Dr. Matthias Middell ist Professor für Kulturgeschichte an der Universität Leipzig, wo er das Global and European Studies Institute leitet. 2007 lehrte er an der Duke University als Fulbright Professor für Transnationale Geschichte, seit 2016 leitet er in Leipzig den Sonderforschungsbereich „Verräumlichungsprozesse unter Globalisierungsbedingungen“. Er ist seit 1991 Herausgeber von Comparativ. Zeitschrift für Globalgeschichte.