Wertegemeinschaft oder Streitkultur: Die transatlantischen Beziehungen nach der nationalistischen Wende in den USA

Über Jahrzehnte galten die transatlantischen Beziehungen als Eckpfeiler der deutschen und europäischen Außenpolitik. Seit dem Amtsantritt von Donald Trump im Januar 2017 sind diese Beziehungen jedoch in schweres Fahrwasser geraten: Unter dem Slogan „America First“ setzte sich immer deutlicher eine nationalistische Wende in der US-Außenpolitik durch. Internationale Abkommen werden in Zweifel gezogen oder kurzerhand gekündigt, das NATO-Bündnis kritisiert und Grundsätze des freien Handels durch eine protektionistische Wirtschaftspolitik ausgehöhlt. Anstelle der viel beschworenen Wertegemeinschaft des Westens scheint eine transatlantische Streitgemeinschaft getreten zu sein. Wie konnte es zu dieser Eskalation kommen? Welche Perspektive hat das transatlantische Verhältnis unter diesen Bedingungen und wie sollte Europa reagieren? 

 

 

Im Vortrag werden Hintergründe für die nationalistische Wende in der amerikanischen Außenpolitik analysiert und deren Konsequenzen für die transatlantischen Beziehungen reflektiert.

Im Mittelpunkt steht dabei die These, dass die neue Außenpolitik auf einer populistischen Strategie beruht, die innenpolitische Ursachen hat. Trotz gemeinsamer Werte und ähnlicher Lebensweisen auf beiden Kontinenten sind daher weiterhin Spannungen zu erwarten.

 

Prof. Dr. Christiane Lemke ist Professorin für Politische Wissenschaft an der Leibniz Universität Hannover und Leiterin des Arbeitsbereichs Internationale Beziehungen im Institut für Politische Wissenschaft. Von 2000 bis 2010 war sie Sprecherin der AG „European Studies“ und Mitverantwortlich für das Jean Monnet European Center of Excellence der Universität. Sie war Gastprofessorin an der Harvard University und an der University of North Carolina at Chapel Hill. Von 2010 bis 2014 besetzte sie den Max Weber Lehrstuhl für deutsche und europäische Politik an der New York University. Ihre Arbeitschwerpunkte sind Theorien internationaler Beziehungen; transatlantische  

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Globalisierung und Wachstum

Öffentlicher Vortrag im HWK am 10. September 2018 um 19.30 Uhr


Globalisierung wurde seit den 1990er Jahren als ein neuer Motor des wirtschaftlichen Wachstums gefeiert und als Begründung darauf verwiesen, dass die Entgrenzung einer Welt, die im Kalten Krieg geteilt war, Transaktionskosten verringere und die Mechanismen des Marktes in immer mehr Weltregionen gegenüber politischen Interventionen zur Geltung bringe. Dies sichere Wohlstandsgewinne und ermögliche konsequenterweise die Ausdehnung demokratischer Ordnungen.
Dieses naive Szenario trifft inzwischen auf wachsende Skepsis, ohne dass die Zentralität der Globalisierungsdiagnose grundsätzlich in Frage gestellt würde.
Was hat also Globalisierung mit Wachstum zu tun? Ist dies eine Frage, die sich erst seit 1989 stellt oder hat sie einen längeren historischen Vorlauf? Und was bedeutet es, Wachstum und globale Herausforderungen des Anthropozän (also jener erdgeschichtlichen Epoche, die vom Eingreifen des Menschen substantiell geprägt ist) miteinander in Beziehung zu setzen?
Der Vortrag gibt einen Überblick zur Globalisierungsdiskussion der letzten drei Jahrzehnte und formuliert Antworten auf die oben genannten Fragen.

Dr. Matthias Middell ist Professor für Kulturgeschichte an der Universität Leipzig, wo er das Global and European Studies Institute leitet. 2007 lehrte er an der Duke University als Fulbright Professor für Transnationale Geschichte, seit 2016 leitet er in Leipzig den Sonderforschungsbereich „Verräumlichungsprozesse unter Globalisierungsbedingungen“. Er ist seit 1991 Herausgeber von Comparativ. Zeitschrift für Globalgeschichte.